Von Sarah Kerber (erschienen in der „Rundschau“ vom 1.9.2026)
Der historische Konflikt Südtirols wurde ins Rampenlicht gerückt – der PVÖ Weißenbach war begeistert vom Theaterstück „Feuernacht“ über den Kampf der Südtiroler für Selbstbestimmung in der Nachkriegszeit
50 Mitglieder der PVÖ-Ortsgruppe Weißenbach am Lech reisten im voll besetzten Bus am Mittwoch, dem 26. August, über den Fernpass nach Telfs zu den Tiroler Volksschauspielen, wo das Stück „Feuernacht“ von Felix Mitterer aufgeführt wurde.
HISTORISCHES. Als Feuernacht bezeichnet man die Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961, in der sich die Unzufriedenheit der deutschsprachigen Südtiroler gewaltsam äußerte. Nach dem Scheitern der Südtirol-Verhandlungen zwischen Österreich und Italien in Klagenfurt am 25. Mai 1961 legte der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) den Zeitpunkt für die schon länger geplante Sprengung der Strommasten fest. Ziel der Attentäter war es, weltweit mehr Aufmerksamkeit für den Kampf um die Gleichberechtigung der deutsch- und italienischsprachigen Südtiroler zu gewinnen. Durch die Sprengungen der Strommasten in der Feuernacht im Juni 1961 sollte die Industrie Bozens lahmgelegt und somit die italienische Industrialisierung gestoppt werden. Dieses Ziel wurde jedoch verfehlt. Die gewünschte Aufmerksamkeit erhielt das Attentat trotzdem, und die italienische Regierung verstärkte als Konsequenz ihre Polizei- und Militärpräsenz in Südtirol.
„FEUERNACHT“ VON FELIX MITTERER. Noch heute, 65 Jahre nach der „Feuernacht“, ist dieses Thema mit Schmerz, Kritik und Diskussionen verbunden. In dem Theaterstück wurde die Geschichte der in die Attentate verwickelten Menschen anhand persönlicher Schicksale auf die Bühne gebracht und die Konflikte dieser Zeit ins Rampenlicht gerückt. Dabei ging es um Themen wie Freiheit, Identität, Heimat, Verantwortung, Mut und Zweifel. Mit dem Text von Felix Mitterer und der Musik von Herbert Pixner wurden die Zuschauer zum Nachdenken angeregt. Die Frage, ob eine historisch ungerechte Grenze mit der Zeit tatsächlich gerechter wird oder ob man aufhören sollte, über vergangene Konflikte zu sprechen, lieferte dem Publikum auch nach Ende der Aufführung noch reichlich Anlass zur Auseinandersetzung. Wichtig war dem Autor auch die Klarstellung, dass die damaligen Ereignisse bis heute von Bedeutung sind, weil ähnliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen immer wieder aufkommen. Das Schauspiel wurde in der inzwischen größtenteils abgerissenen Südtiroler Siedlung in Telfs aufgeführt. Dadurch wurde kein gewöhnliches Theatergebäude genutzt, sondern ein historischer und authentischer Ort. Die alte Siedlung wurde zu einer großen Open-Air-Bühne, auf der die Geschichte direkt in ihrer ursprünglichen Umgebung erzählt wurde. Der Schauplatz verwandelte sich dadurch in einen wichtigen Bestandteil des Stücks und ließ die Vergangenheit für das Publikum besonders eindrucksvoll und greifbar wirken.
STIMMEN DER SENIOREN. „Die beeindruckende Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler ließ die ungeheuren Spannungen und die Zerrissenheit in der damaligen Bevölkerung bis mitten hinein in die Familien nachempfinden. Dazu die unnachahmliche Art der einfühlsamen und berührenden Musik des Ausnahmekönners Herbert Pixner mit Band und dem wunderbaren Manu Delago – ein Erlebnis für die Sinne!“, so Karl-Heinz Pohler, Obmann der PVÖ-Ortsgruppe Weißenbach am Lech.
Fotos und Videos: Karl-Heinz Pohler
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